Mai 1995 - von Erlangen nach München

Probelauf...
 
 
 
 
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Während des Aufenthaltes im Senegal freunden wir uns mit Martin Eichlseder, einen Zivildienstleistenden aus München an. Für ihn ist das Radfahren auch ein Thema und wir reden davon, für den Sommer eine gemeinsame Unternehmung zu planen. Schon bald ergibt sich Konkretes, es entsteht ein Rahmen für eine Unternehmung: Stephan, ein Freund von uns, feiert im Juni das 10-jährige Bestehen seiner Töpferei in Mauchen im Markgräfler Land und am Tag darauf soll im schweizerischen Toggenburg ein Afro-Workshop bei Bekannten stattfinden, die wir ebenfalls im Senegal kennenlernten. Das wäre doch ein gelungener Coup, wenn wir da mit den Velos aufkreuzen könnten. Doch wir wollen erstmal austesten, ob wir miteinander können. So bietet sich ein langes Wochenende im Mai für einen Versuch an. Um das Ganze erschwinglich zu halten, wollen wir im Zelt übernachten. Das erfordert die Anschaffung von Gepäcktaschen für das Vorderrad. Es werden “Frontroller” von Ortlieb erstanden. Martin bekommt seine als Sonderangebotsposten, ich zögere zu lange und muß den regulären Preis zahlen. Aber was soll’s, ich bin damit fast für jede “Expedition” ausgestattet, zumal ich inzwischen auch noch eine Wasserflasche mein Eigen nenne (der nächste Biergarten ist oft weit!). Das geplante Wochenende rückt näher und schon geht’s los:


Mittwoch - München bis Erlangen

Martin kennt ein Mädchen aus der Afro-Scene, daß in Erlangen wohnt. Wir haben geplant, dort zu übernachten, an Nürnberg vorbei irgendwie das Altmühltal anzusteuern und “dann seh’n wir schon wie’s weitergeht”.

So verabreden wir uns am Mittwoch nach Feierabend am Münchner Hauptbahnhof, um den Zug nach Nürnberg zu nehmen. Es regnet wieder mal, als ich mich vollbepackt mit dem Velo vom der Arbeit zum Bahnhof quäle (morgens bin ich schon damit von Pasing bis in die Innenstadt gefahren). Als der Zug bereitgestellt wird, verladen wir die Räder im Gepäckwagen und machen es uns im bequem. Die Regenlandschaft gleitet vor den Fenstern vorbei, doch wir sind guter Dinge. In Nürnberg müssen wir uns erstmal orientieren. Wo geht’s denn bitte nach Erlangen? Die Regensachen sind nötig, denn es schüttet immer noch. Entlang einer Ausfallstraße radeln wir zu unserer Übernachtungsmöglichkeit.

Der Verkehr ist sehr dicht, die Sicht schlecht und wir sind trotz Regenklamotten bald naß, besonders die Schuhe, die ja nicht wasserdicht sind, ziehen Wasser. Es senkt sich die Nacht herein, als wir bei Martins Freundin ankommen. Während wir abpacken, stellen wir fest, daß einige Afrikaner da sind, die wir in München schon mal gesehen haben. Es wird afrikanisch gekocht, zusammengesessen und geredet und irgendwann verziehen wir uns in unsere Schlafsäcke.

Donnerstag - Erlangen bis Pleinfeld

Am Morgen ist es trocken. Zwar hängen noch Wolkenfetzen in Bodennähe, aber es ist schon deutlich sichtbar, daß die Sonne die Oberhand gewinnen wird. Wir sind früh schon unterwegs, radeln zum Rhein-Main-Donau-Kanal, dessen Dammweg wir nach Süden folgen. Wir kommen gut voran, nähern uns wieder Nürnberg, diesmal von ruhigerer Seite aus. Der Hafenkomplex gleitet vorbei, die Stadt bleibt langsam zurück, derweil sich die Sonne nochmal hinter die Wolken verzieht.

Am Kanal entlang zu fahren wird auf Dauer natürlich langweilig. Einmal müssen wir uns wegen einem Regenguß unterstellen, ein andermal kochen wir uns unter einer Brücke Tee mit dem Campingkocher. Mir als Höhenangstgeplagter treiben die Viadukte über die Taleinschnitte jedesmal den Schweiß auf die Stirn! Irgendwann dürfen wir runter vom Damm und nach Roth fahren, einem malerischen fränkischen Städtchen. Das wissen wohl auch andere, denn man begegnet mal wieder dem in Reisebussen fahrenden Volke...

Nachdem wir uns sattgesehen und ein wenig gezeichnet haben, folgen wir kleinen Landsträßchen nach Süden. Das Wetter ist wechselhaft, aber es wird trockener. In Pleinfeld gibt es einen Campingplatz wo wir unser Zelt mitten zwischen Wohnwagen-Campern aufstellen, die uns etwas skeptisch betrachten. Das Abendessen nehmen wir in der Campingplatz-Gaststätte ein, das Wiener Schnitzel haben wir uns ehrlich verdient. Ob aber auch den Wein?


Freitag - Pleinfeld bis irgendwo im Altmühltal

So schlimm kann es mit dem Wein nun auch wieder nicht gewesen sein, weil wir schon sehr früh putzmunter und richtiggehend ungeduldig sind. Das Zelt ist schnell abgebaut, ein karges Frühstück eingenommen, augenblicklich sind wir wieder unterwegs. Der Morgen ist sonnig, die Luft würzig, das Radeln ein Hochgenuß!

In Weissenburg, der alten Römerstadt, wird eingekauft. Wir brauchen sowohl Wasser als auch Lebensmittel, Martin benötigt neue Bremsbeläge, die er im Stadtpark montiert, während dessen ich ein zweites Frühstück, in Form von belegten Brötchen, zu mir nehme. Als wir zum Himmel aufschauen, staunen wir nicht schlecht, denn innerhalb von ein paar Minuten ist Bewölkung aufgezogen, es sieht gar nicht rosig aus. Es bleibt jedoch trocken, lediglich die heitere Stimmung hat sich verflüchtigt, als wir zuerst einen Feldweg am Bahngleis entlang, später parallel zum Karlsgraben nach Treuchtlingen fahren. Vom Karlsgraben sieht man nicht viel, man erfährt jedoch, daß das umstrittene Projekt des Rhein-Main-Donau-Kanals schon früher ein Thema war. Bald tauchen wir in das obere Altmühltal ein. Das Tal ist hier noch weit und wird erst nach einiger Zeit sein typisches Gesicht annehmen. Papenheim wird durchradelt, es gibt einen kurzen Regenguß, Solnhofen taucht vor uns auf.

Da gibt es doch die Steinbrüche, die berühmten, wo man den Archaeopterix und andere versteinerte Fossilien fand! Ob man die Steinbrüche wohl besichtigen kann? Voll Tatendrang verlassen wir das Flußtal nach rechts und haben uns damit 2 km steilen Anstieg eingehandelt! Ich komme sogar mit meinen leichten Berggängen an die Grenzen, bin aber doch erstaunt, daß ich nicht absteigen und schieben muß, sondern langsam und allmählich hinauf komme.

Irgendwann haben wir es hinter uns, gelohnt hat sich die Fleißarbeit aber mitnichten: wir kommen zwar an ein Geröllfeld, wo man sich aus Körben kleine Versteinerungen gegen eine ebenso kleine Spende mitnehmen darf (was wir auch tun), aber es hat die Anstrengung nicht gerechtfertigt. Nun, so rollen wir auf der anderen Seite bei Nieselregen bergab (überflüssig zu erwähnen daß meine “neuen” Bremsen mit der Situation spielend umgehen können!). Unten im Tal heißt die nächste Ortschaft Dollnstein, dann kommt Eichstätt. Viele Kanufahrer sind unterwegs, Jugendgruppen im Zeltlager, das Wetter stabilisiert sich wieder. Am späten Nachmittag kommen wir zu einer Zeltwiese, die uns geeignet für eine Nacht erscheint. Halb so groß wie ein Fußballfeld, auf der einen Seite von der Altmühl begrenzt, auf der anderen Seite vom sanft ansteigenden Talrand, sagt uns das Plätzchen gleich zu. Wir entdecken am einen Ende der Wiese Toilettenkabinen und gegenüber ein paar Zelte, dazwischen bauen wir uns auf. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: die Zelte gehören zu einer Jugendgruppe, die bis in die Nacht hinein Radau machen und uns dadurch zum Wahnsinn treiben wird. Doch optisch wird der Abend hervorragend - Sonnenuntergang, Sternenhimmel, etc.


Samstag - Von Irgendwo im Altmühltal bis Pfaffenhofen

Wir müssen uns langsam entscheiden, wie wir die Tour weiterführen wollen. Meinem Vorschlag, bis Regensburg zu fahren und dann mit dem Zug nach München zurückzufahren, kontert Martin mit dem Gegenangebot, das Altmühltal doch bei nächster Gelegenheit zu verlassen, um direkt mit dem Fahrrad München anzusteuern. Ich bin einverstanden und bald schon sieht man uns - wieder bei strahlend schönem Morgenwetter - die Hügel der fränkischen Alb erklimmen, nach Ingolstadt hinunterrollen, dort eine Landkarte kaufen und an einem Brunnen die weitere Strecke festlegen. Ich bin etwas mißmutig, weil mich der Heuschnupfen wieder fest im Griff hat und überlasse Martin die Routenausarbeitung.

Zuerst folgen wir einem Forstweg durch ein langgestrecktes Waldgelände, dann sind wir
auf kleinen Straßen nach Süden unterwegs, bald ist es drückend heiß und sehr windig, so
daß mir die Pollen unter die Brille reinwehen, dann wieder bedeckt und trübe. Der nächste
Campingplatz liegt in Pfaffenhofen, wir erreichen ihn am Spätnachmittag.


Sonntag - Von Pfaffenhofen bis Petershausen

In der Nacht fängt es an zu regnen und es hört auch am Morgen nicht auf. Das bedeutet, daß das Zelt und die Ausrüstung naß verpackt werden muß, was eine recht unangenehme Angelegenheit ist. Mir macht das Wetter nicht so viel aus, bleibe ich doch bei Regen vom Pollenflug verschont, doch Martin ist schlecht gelaunt. Wir beschließen, in Petershausen die S-Bahn nach München zu nehmen, doch die 20 km dorthin müssen in strömendem Regen bewältigt werden. Wir wickeln uns Plastiktüten um die Schuhe und bleiben so relativ trocken, indes Regen ist einfach Regen und wir sind froh, als wir die Velos im Zug wissen und uns umziehen können. Martin hat es die Stimmung verschlagen, ich aber bin guter Dinge und freue mich, daß die Fahrradsaison gerade erst begonnen hat!

Als wir uns in München verabschieden ist es noch offen, ob dieser Unternehmnung eine weitere folgen wird. Bald aber ist Martin wieder Feuer und Flamme, das Positive überwiegt halt im Nachhinein dann doch immer die unangenehmen Seiten...

 
 
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