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  Während wir auf kleinen Landstrassen gen Westen rollen, versuche ich mir einen Kalauer zurecht zu schneidern, vielleicht so: "Kein Wunder, dass wir nur französische Radiosender rein bekommen, wir sind ja schliesslich mit einem französischem Auto unterwegs". Doch es will mir einfach keine zündende Pointe einfallen. So konzentriere ich mich lieber auf den Verkehr. Ich freue mich darüber, dass mir nach all den autofreien Jahren Bewegungsabläufe wie Kuppeln und Schalten nicht abhanden gekommen sind, sondern nach etwas Gewöhnung wieder völlig selbstverständlich erscheinen. Auch die Reflexe sind noch da - zum Beispiel die spontane Vollbremsung, als ein Autofahrer, den Blick auf das Display seines Mobiltelefons gerichtet, die Vorfahrt missachtet und ich gerade noch rechtzeitig zum Stehen komme. Dabei dachte ich, all das wäre längst vergessen und verschwunden im abgrundtiefen Teich vergangener Zeiten und nicht mehr wichtig für mich. Doch das Leben nimmt seine eigenen Kurven und Wendungen, und manchmal ist es hilfreich, wenn man auf früher mal erworbene Fertigkeiten zurückgreifen kann.  
Richtig gelesen, wir sind mit dem Auto unterwegs. Nach zwanzig Jahren Radreisen will in diesem Winter die Planung für die anstehende Saison nicht so recht in Schwung kommen. Interessante Routen gäbe es zuhauf, daran liegt es nicht. Es fehlt eher ein wenig an der Lust oder Motivation. Zeitgleich beginne ich im Frühjahr wieder Auto zu fahren. Eigentlich zuerst mal nur, damit mir meine Fahrpraxis nicht völlig abhanden kommt und ich zumindest einen Teil davon am Leben erhalten kann. Doch wider Erwarten bereitet mir das Autofahren Spass. Zuerst darf ich mit dem Auto unseres Nachbarn eine Proberunde drehen, dann löse ich ein Probeabonnement bei unserem Schweizer Carsharing-System. Und als ich mich wieder sicher genug fühle, kommt endlich die Ferienidee: Warum nicht mal wieder Autoferien? Gemütlich auf kleinen Landstrassen nach Westen düsen, am besten in unsere Lieblingsgegend, die Bretagne? Endlich wieder mal ans Meer? Und was liegt auf der Strecke? Genau. Das Loire-Tal! Und da haben wir ihn endlich, unseren Plan. Anders mobil als gewohnt, dafür aber neu und spannend...