Von Hillstett nach Amberg
Mittwoch, 4. September 2019 (61 Km)
 
Eigentlich haben wir innerlich mit der Radreise abgeschlossen. Die beiden Ruhetage in Hillstett waren sehr entspannt, Faul- und Trägheit haben die Oberhand gewonnen, und am liebsten hätten wir uns nach Hause gebeamt. Doch einerseits geht das halt nicht, und andererseits gibt es da noch diese eine Stadt. Amberg nämlich. Seit ich vor Jahren einmal während einer meiner Soloreisen hier übernachtete, kommt mir diese Stadt immer wieder in den Sinn. Zudem verfügt Amberg eben auch über einen Bahnanschluss, denn der Mensch muss irgendwie auch wieder nach Hause gelangen.

So gibt es heute also eine letzte Tagesetappe. Am Morgen brauchen wir nach Frühstück und Auschecken eigentlich nur die Velos bepacken und aus dem Hotelareal rollen, und schon sind wir wieder am Radweg. Wir radeln zuerst am Eixendorfer Stausee entlang, an dessen Eröffnung in den Siebziger Jahren ich mich noch gut erinnern kann. Auf der Landstrasse gelangen wir nach Neunburg vorm Wald. Auch dieses Städtchen scheint recht gewachsen zu sein - Gewerbegebiete, natürlich.

Es folgen ein gutes Dutzend Landstrassenkilometer von Neunburg über Schwarzhofen bis nach Zangenstein, wo wir uns von Autofahrern ärgern lassen, die entweder zu knapp überholen und/oder viel zu kanpp wieder einscheren. Gar nicht schön, sowas. Bei Zangenstein treffen wir dann erneut auf den Schwarzachtal-Radweg, der hier auf einer stillgelegten Bahntrasse geführt wird. Und auch daran mag ich mich noch erinnern: In meiner Kindheit war die Bahn noch in Betrieb, und es verkehrten abwechselnd eine Dampflok und ein blassroter Schienenbus.
  Bei Wölsendorf erreichen wir wieder die Naab, folgen ihr bis Schwarzenfeld und machen dort bei einer Bäckerei Pause. Auf der anderen Strassenseite befindet sich ein Gemischtwarenladen. Dort haben sie (Deko-)Herzen im Sonderangebot. Hearts for sale. Wie Herr Jagger mal zu singen pflegte. Wir ziehen lieber weiter, arbeiten uns eine Ausfallstrasse nach Westen voran, bis wir schliesslich auf den Schweppermann-Radweg stossen, dessen Trasse uns genehm ist. Es ist mittlerweile wieder recht heiss geworden, so ein typischer Spätsommer- oder Frühherbsttag. Als es auf schlechtem Weg recht lang durch einen Wald geht, verlieren wir allmählich die Motivation und sind froh als die Stadt endlich vor uns auftaucht.

Einchecken ins Hotel (sehr charmantes Personal!), Siesta, Stadtbesichtigung, dann gemütlich in einer Wirtschaft am Marktplatz sitzend die Atmosphäre geniessen - so sieht es heute aus. Hier scheint es eine Sprachgrenze zu geben, der oberpfälzer Dialekt einerseits und der fränkische andererseits. Wir bekommen ein Gespräch zweier Frauen mit, die sich über Küchenbelange unterhalten. Während die eine irgendwas mit dem Messer klein schneidet, erzählt die andere, dass sie einfach alles in die "Moulinädde" wirft. Ich mag den fränkischen Dialekt mit seinen weichen Konsonanten.

Und dann ist die Reise zu Ende. Am Donnerstag nimmt uns der Zug (beziehungsweise mehrere) wieder mit nach Hause. Dauert zwar den ganzen Tag, aber es funktioniert problemlos. War eine schöne Reise.
     
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