Sieht nach einem Marathontag aus. Nun, so schlimm wird es auch nicht werden, wir sitzen halt heute den ganzen Tag im Zug und sollen laut Fahrplan irgendwann am späten Nachmittag in Barcelona ankommen. Umsteigen müssen wir in Lyon und in Valence. Der Zugwechsel in Valence sollte kein Thema sein, da haben wir eine gute Stunde Aufenthalt. Aber in Lyon bleiben uns nur ein paar Minuten. Da wollen wir mal die Daumen drücken, dass unser erster Zug von Genf nach Lyon keine Verspätung herausfährt.

Tut er nicht. Zwar scheint sich der Zug schon recht Zeit zu lassen, wie er da die Windungen und Schlaufen der Rhône entlang rollt, hier mal über eine Brücke und dort durch ein Tunnel, immer das enge Juratal entlang. Doch wir sind pünktlich. Der Abschnitt durch das enge Flusstal ist wirklich sehenswert, wir reden über unsere Radreise von Zürich bis nach Aigues-Mortes, wo wir auch das Rhônetal berührt haben. Wir steigen um in Lyon und dann in Valence, und schliesslich sitzen wir im TGV nach Barcelona. Ab hier sind die Durchsagen im Zug französisch und spanisch - ein erster Vorgeschmack auf das Kommende. Avignon in der Ferne, ein Blick auf den Mont Ventoux. Dann Nimes, Montpellier, wir sind im Midi - und zwar zur Mittagszeit. Das besondere Licht, das Van Gogh zu Höchstleistungen und in den Wahnsinn getrieben haben soll, leuchtet auch uns: Der Himmel hellblau, fast weiss, die Sonne gleissend. Eine Weile lang erhascht man immer wieder mal einen Blick auf das Mittelmeer oder auf die Lagunen, die es hier gibt. Perpignan, die Grenze zu Spanien, linkerhand die Pyrenäen. Ankunft Barcelona Sants.

Während wir letzten Sommer in Paris am Gare de Montparnasse eine halbe Stunde auf ein freies Taxi wartet mussten, stehen die schwarz-gelben Taxis hier Schlange. Aha. Das betrifft uns jedoch nicht, denn unser Hotel liegt wohlweisslich direkt am Bahnhof Barcelona Sants. Morgen früh geht es schliesslich weiter in den Süden und Barcelona ist für uns ja nur ein Zwischenstopp. Eine Besichtigung dieser Stadt haben wir uns für später einmal vorgenommen.  Die Umgebung des Bahnhofs ist modern gestaltet, doch nur einen Schritt weiter kommt man in ein eher traditionell aussehendes Quartier. Ganz in der Nähe befindet sich ein kleiner, rechteckigen Platz, der oder die Plaça d'Osca, von Läden und Kneipen umgeben. Mitten auf dem Platz hat man Tische und Stühle aufgestellt, und man muss erstmal herausfinden, zu welcher Bar / Kneipe das nun gehört. Da ist ganz schön was los. Viele, zumeist junge Leute, sitzen da, reden, gestikulieren, es wird viel gelacht. Wir machen unsere erste Erfahrung mit der Tapas-Kultur, bestellen uns Wein und Oliven und im weiteren Verlauf kleine Häppchen, und sitzen nur da und staunen und lassen alles auf uns wirken. Von einem Kulturschock zu sprechen, wäre wohl etwas übertrieben, schliesslich gibt es solche Szenen auch bei uns in Zürich. Und doch ist es irgendwie anders - fröhlicher. Es ist unser erster Berührungspunkt mit Spanien. Und irgendwie, ja, macht es Lust auf mehr.
 
Naherholung hinter dem Bahnhof Barcelona Sants...
...mit einem Ungetüm...
...auf dem man spielen...
...und skaten kann.
...
Fröhliches Treiben...
...auf dem Plaça d'Osca.
Da sitzt man nur rum und staunt...
 
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