Gestern Abend baute auf dem Vorplatz unseres Hotels, am Rande des Bahnhofsareals gelegen, eine Gruppe gar nicht mehr so junger Leute eine Musikanlage auf und fing an zu tanzen. Da unsere Fenster schallisoliert waren, hat uns das nicht am Einschlafen gehindert oder sonstwie gestört. Morgens um sieben sind sie immer noch zugange, allerdings nur lachend und nicht mehr tanzend - irgendwann geht einem dann doch auch mal die Puste aus.

Wir müssen früh los, um unseren Zug nach Córdoba zu erwischen, zu früh für ein Frühstück im Hotel. So nehmen wir dieses in der Filiale einer bekannten amerikanischen Fast Food-Kette zu uns. Wie heisst es so schön? Man gönnt sich ja sonst nichts? Gleich darauf zwei Aha-Effekte. Ein positives und ein zwiespältiges. Um zu unserem Schnellzug zu gelangen, muss man durch eine Sicherheitsschleuse hindurch, so wie man es von Flughäfen her kennt. Das Gepäck wird durchleuchtet. Auf das war ich natürlich nicht vorbereitet und schlagartig realisiere ich, dass meine Schwarzweissfilme ja völlig ungeschützt sind. Ob die mit der Strahlung klar kommen oder ob ich die Fotos vergessen kann? Das war das zwiespältige Erlebnis. Um nicht am Ende der Reise schlimmstenfalls ganz ohne Fotos dazustehen, beschliesse ich, parallel zur analogen Fotokamera, in diesem Fall meine abgeschabte Konica Autoreflex T4, auch mit dem Mobiltelefon zu fotografieren. Da dabei auch Bilder entstanden sind, die mir gefallen, werde ich zu jedem Reisetag eine Seite mit den farbigen Bildern erstellen. Doch wie man sieht, haben die Schwarzweissfilme keinen Schaden genommen. Das positive Erlebnis ist der Hochgeschwindigkeitszug, mit dem wir in den Süden rauschen: Die Sitze in schwarzem Leder gehalten, viel Beinfreiheit, alles sehr modern und sauber. Da staunt man nicht schlecht.

Der Wetterbericht, den wir gestern noch mitbekommen haben, hat uns auf hohe Temperaturen in Andalusien vorbereitet. Ausgerechnet Córdoba ist der heisseste Ort. Von neununddreissig Grad ist die Rede. Und wirklich: Je weiter wir mit dem Zug nach Süden vorankommen, desto höher klettert die Temperaturanzeige auf dem Display im Waggon, das die Aussentemperatur anzeigt. Bald sind wir jenseits der 30 Grad-Grenze. Und die Geschwindigkeit des Zugs bei annähernd 300 Km/h. Eine Zugfahrt quer durch Spanien bietet vor allen Dingen eines: grossartige Landschaften! Schroffe Mittelgebirge, schier endlos weite Ebenen mit Getreideanbau, dann wieder Gegenden, die man aus Wildwestfilmen zu kennen scheint, aus Utah, Arizona oder Nevada. Grosse Ländereien, menschenleer wirkend, manchmal mit einsam liegenden Gehöften. Ortschaften, Städte, von einer Burg oder einer grossen Kirche überragt. Je weiter wir nach Süden kommen desto trockener wird es. Um die Mittagszeit läuft unser Zug im Bahnhof zu Córdoba ein und wir beziehen unser Hotelzimmer mitten in der Altstadt.

Und ja, es ist heiss hier. Die Notwendigkeit einer Siesta wird einem schlagartig klar. Auch wir brechen erst in den frühen Abendstunden zu einem ersten Erkundungsgang auf. Die Hitze macht einen träge und wir laufen wie in Trance durch die weisse Stadt. In unserem Quartier ist es relativ ruhig, aber in der Nähe der Mezquita ist es -  natürlich - sehr touristisch. Die Bustouristen, die wir an den nächsten beiden Tagen sehen werden, sind allerdings um diese Tageszeit schon wieder verschwunden. Die Mezquita selber ist heute geschlossen. Der Anlass für die Schliessung ist die Hochzeit eines Paares, dass es sich anscheinend leisten kann, sich hier das Jawort zu geben. Wir kommen gerade zum Défilé der Gäste, die sich alle ziemlich in Schale geworfen haben. Ausserdem sind viele Frauen in den typischen Flamencokleider unterwegs. Man weiss nicht so recht, ob die "echt" sind und Einheimischen gehören, oder ob es sich um diese Art billige Fake-Tracht für Touristen handelt, wie man das auch vom Münchner Oktoberfest her kennt.

Wir statten dem Guadalquivir einen Besuch ab, betrachten die alte Römerbrücke, und landen schliesslich auf dem Plaza de las Tendillas, einem Platz, der für die ihn umgebenden Gebäude irgendwie zu klein wirkt. Und ganz später, schon auf dem Heimweg, gibt es noch einen letzten Boxenstop. Nur einen Katzensprung von unserem Hotel - wie eigentlich fast überall in der Altstadt - hat man auf der ganzen Strassenbreite Stühle und Tische aufgebaut, dort sitzt man immer noch und isst und trinkt und erfreut sich des Lebens. Wir setzen uns an einen freien Tisch und tun dasselbe.
 
Der Tag in Farbe
 
Dieses Reptiliengesicht ziert unseren Hochgeschwindigkeitszug nach Córdoba...
Dachlandschaft...
...und unser Hotel.
Der erste Spaziergang in Córdoba...
...
...
...
Der erste Blick auf die Mauern der Mezquita...
...
...
Die alte Römerbrücke über den Guadalquivir.
Hochzeitsgesellschaft...
Touristen oder Ortsansässige?
Abendlicht auf der Plaza de las Tendillas.
...
 
zurück zum Menu ¦ nach oben ¦ der Tag in Farbe ¦ weiterlesen