22. Mai 2020. Von Pfäffikon nach Turbenthal (16 Km)
 
Am Ufer der Töss entlang marschierend, mit Blick auf die weissen Kiesflächen mitten im Flussbett, kommen mir Textzeilen aus dem Lied "Isarflimmern" in den Sinn, Willy Michls melancholisch-bluesige Ode an den Fluss, der mitten durch München fliesst - der Stadt, die mich sechzehn Jahre lang beherbergt hat, und der ich so einiges verdanke. Besonders die Textpassage, wo er am Flaucher die unbekleidete schöne Dame trifft und sie abends in sein Konzert einlädt, und sie dann auch wirklich auftaucht, und er weiss, dass er sie schon einmal nackt gesehen hat, lässt mich schmunzeln. Dann fallen mir noch andere Songs aus dem Album "Ois is Blues" ein, und ich summe sie vor mich hin: "Das Land Nepal", "Der 1000-jährige Eskimo", "Sonnenuntergang". Oh seelige Melancholie...

Dabei fing der Tag mit einem Schreck an: Beim Verlassen der Bäckerei, in der wir noch etwas Proviant für die heutige Etappe erstehen, stolpere ich an einer Treppe und stürze prompt zu Boden. Glücklicherweise tu ich mir dabei nicht weh und zermatsche lediglich das Sandwich mit meinem Gewicht, aber ich bin erstmal erschrocken und brauche eine Weile, bis ich mich wieder zurecht finde. Ich war ein wenig hektisch heute morgen, geb ich zu, obwohl es ja gar nicht sein müsste. Aber ich wollte noch auf den früheren Zug, das Koffein der beiden Tassen Kaffee tanzte in meinen Adern, und schwupps war's passiert. Oder so: Langsam werde ich älter, das soll auch nicht verschwiegen werden. Dieses Jahr wird die Zahl 58 auf dem Tacho stehen. Nun denn, der Sturz dämpft erstmal ein wenig meinen Eifer. Doch als wir in der S-Bahn sitzen, dann nach einem Umstieg endlich in Pfäffikon ankommen, sieht alles wieder ganz anders aus. Auch das Wetter. Spannte sich gestern noch ein herrliches Azur über das gesamte Firmament, so zeigt sich dieses heute eher milchig. Ein Kaltfront kündet sich an, Cirruswolken verschleiern allmählich die Sonne. Meteo Schweiz verspricht uns jedoch heute noch einen trockenen, und keinesfalls unfreundlichen Tag.

Genau wie gestern in Uster gilt es auch heute, vom Bahnhof aus durch Wohnsiedlungen hindurch einen Hügel zu erklimmen. Diesmal trennt der Höhenzug das Tal des Pfäffiker Sees mit dem Tal der Töss. Am Ortsende nimmt uns der Wald auf, ein kleines Bächlein begleitet uns. Ein Teich im Wald scheint zu sagen: "Hier bitte, Idylle pur!" Weiter dem kleinen Bach entlang, es ist die "Luppmen", lerne ich später zuhause im Web. Friedlich plätschert er und bahnt sich sein Bett durch den lichten Wald. Wir kommen schliesslich ins Freie, laufen an einer Mühle vorbei, und dann noch ein paar hundert Meter, und schon hören wir die Autos der Tösstalstrasse und haben den Ort Hittnau rechts von uns. Wir sind an einer kleinen Wasserscheide angekommen und marschieren von nun an bergab in den Ort Saland. Hier finden wir ein geöffnetes Restaurant, und essen das erste Mal seit längerem wieder in einem solchen. Nicht dass das jetzt ein kulinarischer Höhepunkt wäre, doch a) haben wir wirklich Hunger und b) brauchen wir auch eine kleine Rast, den wir wollen noch bis Turbenthal laufen.

Und das tun wir nach der Pause auch. Wir folgen der Töss, die im Moment wenig Wasser führt. Kiesbänke, Brennesseln, Familien mit Kindern, die am Flussufer oder auf dem Kies grillieren. Willy Michl sänge: "Rolling Stones im Flussbett, träumen von Lady Jane, das Ufer träumt vom Liebespaar, und's Gebirg vom Jennerwein"

Wir ziehen durch bis Turbenthal und sind rundum zufrieden.
 
 
Im Walde der verwunschene Teich.
 
 
 
 
 
Raus aus dem finst'ren Tann.
 
 
 
Auf dem Weg ins Tösstal. 
 
 
 
Rolling Stones im Flussbett.
 
Frühsommerfreuden I 
 
Schwarze Schafe gibt's mehr als man denkt.
 
 
 
 
 
Frühsommerfreuden II 
 
Frühsommerfreuden III 
 
 
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